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recht und politik
101. Fichte-Studien: Volume > 44
Georg Zenkert Fichtes Konzept staatlicher Souveränität und das Dilemma des Völkerrechts
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Based on Fichte's conception of international law from the Grundlage des Naturrechts the article examines to what extent a League of nations is compatible with the sovereignty of a nation state. Fichte's concept of sovereignty refers to a republican notion of a state which guaranties the congruence of power and right. This principle leads to an internal tension, for the League presupposes the existence of sovereign states and in the same time curtails their competences. It manifests an instance of power without the legitimation of the singular nations. Fichte avoids the paradoxes of the Kantian vision of a perpetual peace, because he develops a more complex concept of political power, but it remains to be a contradictory construction. In the Rechtslehre of 1812 however, Fichte follows consistently the principle of popular sovereignty and therefore waives an explicit contract among states. He thus meets the ideal of congruence of power and right and also outlines the requirements for a realistic conception of the legalization of relations between states.Ausgehend von Fichtes Grundriss des Völkerrechts, dem Abschluss der Grundlage des Naturrechts nach Principien der Wissenschaftslehre (1796) wird untersucht, inwiefern ein Völkerbund mit der Idee staatlicher Souveränität vereinbar ist. Fichtes Konzeption der Souveränität basiert auf einem republikanischen Staatsverständnis, das im Idealfall die Koinzidenz von Macht und Recht garantiert. Dieses Prinzip führt zu internen Spannungen, denn ein Bund setzt einerseits die Existenz souveräner Staaten voraus, greift aber andererseits in die Kompetenzen der Einzelstaaten ein, bildet also selbst eine Machtinstanz, ohne wie die Einzelstaaten über eine entsprechende Legitimation zu verfügen. Zwar vermeidet Fichte die Aporien der Kantischen Vision eines ewigen Friedens, weil er über einen komplexeren Machtbegriff verfügt, doch bleibt seine Konstruktion widersprüchlich. In der Rechtslehre von 1812 hält Fichte dann jedoch konsequent am Prinzip der Volkssouveränität fest und verzichtet deshalb auf einen expliziten Vertrag der Staaten untereinander. Damit trägt er dem Ideal der Kongruenz von Macht und Recht Rechnung und skizziert zugleich die Voraussetzungen für eine realistische Konzeption der Verrechtlichung der Verhältnisse zwischen den Staaten.
102. Fichte-Studien: Volume > 44
Nicolae Râmbu Fichte und die Entdämonisierung der Macht
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Fichte’s essay about Machiavelli was published in 1807 in Vesta journal with the declared aim to contribute to the »defence of a formidable man’s honour«. A year later some fragments from this essay were republished at the beginning of Fichte’s celebre writing: Addresses to the German Nation. Fichte’s declared admiration for Machiavelli as political thinker is difficult to understand, as the two men had very different political conceptions. The present study demonstrates that there is no difference between Fichte’s eulogy for the man who discovered the demonic nature of power and his own political theory, which contains exactly an attempt to de-demonize this power. For Fichte The Prince contains a perfect political theory useful for the past of the humanity, but his theory, based on a new form of education, addresses the problems of the future. That is why he considered Machiavelli a good specialist of the human nature who, as a real physician of culture, made a very precise diagnosis of humanity’s moral maladies.Fichtes Essai über Machiavelli wurde 1807 in der Zeitschrift Vesta veröffentlicht, um zur »Ehrenrettung eines braves Mannes« beizutragen. Ein Jahr später wurden einige Passagen am Anfang seiner Reden an die deutsche Nation neu aufgelegt. Fichtes Bewunderung für Machiavelli als politischen Denker scheint schwer erklären zu sein, weil es um zwei entgegengesetzte politische Konzeptionen geht. Es gibt jedoch keinen Widerspruch zwischen Fichtes Lobrede auf Machiavelli als politischen Denker, der die Dämonie der Macht entdeckt hat, und seiner eigenen entgegengesetzten Lehre von der Entdämonisierung der Macht. Für Fichte enthält das Buch Vom Fürsten eine politische Theorie, die für die Vergangenheit der Menschheit vollkommen gültig ist, während er durch seine Lehre von der Entdämonisierung der Macht durch eine neue Art der Erziehung die Zukunft im Auge hat. Für ihn ist Machiavelli ein tiefgründiger Kenner des Menschen und der Gesellschaft, der wie ein Arzt der Kultur alle moralischen Krankheiten der Menscheit sehr genau diagnostiziert hat.
103. Fichte-Studien: Volume > 44
Peter L. Oesterreich Trugfiguren deutscher Dominanz. Ernst und Ironie in Fichtes Reden an die deutsche Nation
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In his famous Addresses of the German Nation Fichte gives a number of different definitions of German identity. Ironically, precisely those figures of German dominance, which played an important role in the German nationalism of the 19th and 20th century, come from the Romanesque abroad. Fichte follows here Dante’s philosophy of the vernacular and the invention of the typical German virtues in the Germania of Tacitus. Tragically, however Fichte’s own cosmopolitan queer theory of transnational intersubjectivity has been overlooked until now.In Fichtes berühmten Reden an die deutsche Nation lassen sich eine Mehrzahl unterschiedlicher Definitionsfiguren deutscher Identität entdecken. Ironischerweise schöpfen dabei ausgerechnet die für den Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts zentralen Figuren deutscher Dominanz aus den historischen Quellen des romanischen Auslandes. Dazu zählen Dantes Philosophie der Volkssprache und Tacitus’ Erfindung des germanischen Nationalcharakters in seiner Germania. Am Ende gehört es auch zur tragischen Ironie der Wirkungsgeschichte, dass Fichtes eigenes, neuartiges und kosmopolitisches Quer-Konzept transnationaler Intersubjektivität bis heute übersehen wird.
104. Fichte-Studien: Volume > 44
Manuel Jiménez-Redondo Fichte gegen Napoleon: Die zugrundeliegenden Ideen von Freiheit und Nation
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Fichte’s hostility towards Napoleon, as expressed in his lectures of 1813 on the theory of the state, has its origin at the level of principles, and his always very strong admiration for the figure of Napoleon is at the same time so negatively loaded, that Napoleon becomes for Fichte something like an arch-enemy, the enemy par excellence. Napoleon has turned the old European political world upside down in favor of a re-structuration of this order according to the principles of the French Revolution. This is, at least, how Napoleon was seen by the traditional powers that he had caused to fall or that he had shaken them with lasting political and historical consequences. Goethe, Hegel and Fichte have seen him in this perspective with very different attitudes. In this context, Fichte’s hostility towards Napoleon can be considered, at least partially, as a hostility towards the principles of the Revolution. But if these principles represent something like the normative self-understanding of political modernity at all, then the political philosophy of Fichte can be understood as strongly critical to these principles, if not simply as reactionary. It is worthwhile to consider why such a critical and even reactionary position can be derived in a completely consistent way from this philosophy, which has as its center a radicalized concept of freedom, and which at the beginning had even welcomed the outbreak of the Revolution.Die Feindschaft Fichtes gegen Napoleon, so wie sie später in seinen Vorlesungen von 1813 über die Staatslehre Ausdruck findet ist eine Feindschaft, die ihren Ursprung auf der Ebene von Grundsätzen hat, und die die immer sehr starke Bewunderung Fichtes für die Figur von Napoleon so negativ belastet, dass dieser am Ende zwar zu einem tief bewunderten, aber auch zu einem prinzipiellen Erzfeind wird. Nun hat Napoleon die alte europäische politische Welt auf den Kopf gestellt zugunsten einer Umstrukturierung dieser Ordnung nach den Prinzipien der französischen Revolution. So wenigstens ist Napoleon von den traditionellen Mächten, mit denen er sich auseinandergesetzt und die er zum Sturz oder ins Schwanken gebracht hat, empfunden worden. Und so haben Hegel, Goethe und auch Fichte ihn gesehen. Die Feindschaft Fichtes gegen Napoleon muss sich also zumindest teilweise als eine Feindschaft gegen die Prinzipien der Revolution verstehen lassen. Wenn aber diese Prinzipien so etwas wie die normative Selbstauffassung der politischen Moderne überhaupt bestimmen, dann ist die politische Philosophie Fichtes sehr kritisch zu dieser Selbstauffassung oder einfach reaktionär. Und es lohnt sich zu prüfen, warum gerade aus dieser Philosophie, in deren Mittelpunkt ein radikalisierter Begriff von Freiheit steht und die am Anfang den Aufbruch der Revolution sogar begrüßt hat, eine so kritische oder gar reaktionäre Einstellung, und zwar auf eine sehr konsequente Weise sich ergibt.
105. Fichte-Studien: Volume > 44
Klaus Hammacher Freiheit im Recht. Kritische Betrachtungen zur Entwicklung des Freiheitsbegriffs
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Freedom is not identical with spontaneous willingness, as it was thought by Fichte. In the famous quarrel between Erasmus of Rotterdam and Luther is shown, that this idea of freedom has its origin in religious experience. Before this concept of freedom was identified with free will, Luther did understand human will as slavery of a will, which only by grace can be redeemed from bad influences and which leads to an understanding of liberty that is more humble and sensible. Fichte succeeded in finding out that liberty is founded on interpersonal requests as basic condition that corresponds to this sensible point of view. But this is only a subjective phenomenon which by this manner, with regard to human behaviour, would be a reliable principle. In accordance to Luther’s grammatical interpretation of the indicative form of biblical speech, considering the Ten Commandments in the indicative Form, not imperatively, this good sense might also have inaugurated the Translation into the lawful conduct of human rights. As far as the law is concerned, this could be seen as a first step in realizing the idea of liberty.Freiheit lasst sich nicht als Spontaneitat wie bei Fichte bestimmen. Vielmehr wird am Streit zwischen Erasmus von Rotterdam und Luther erkennbar, wie sich Freiheit aus der inneren religiosen Erfahrung selbst in der Spontaneitat als ›Freiheit eines Christenmenschen‹ trotz Verneinung des freien Willens zeigt. Fichte ist es zwar gelungen, die innere Erfahrung der Freiheit intersubjektiv bedingt in der ›Aufforderung‹ nachzuweisen. Daraus ergibt sich Willensfreiheit als eine Stufe, fur welche die religiose Freiheit einen Verzicht auf en subjektiven Herrschaftswillen bereithalt. Freiheit im Recht lasst sich dann, analog zu Luthers Analyse des indikativen biblischen Sprachgebrauchs zur Kennzeichnung gottlichen Gebots, schon in der Einhaltung des Rechts aus indikativem Verstandnis seiner Gesetzmasigkeit erkennen.
geschichte und geschichtsphilosophie
106. Fichte-Studien: Volume > 44
Ezequiel L. Posesorski Enlightenment, Historicity, and the Teleological Overcoming of Skepticism
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One recently discovered aspect of Reinhold’s early Elementarphilosophie is that it constitutes the last historical step of a teleological activity of reason that ends the history of philosophy. The historical emergence of Reinhold’s system first enables the recognition of the ever-existing laws of the human spirit, and hence, the definitive grounding of philosophy on an unquestionable Grundsatz. According to Reinhold, this also meant that all pre-critical or non-enlightened, partisan assertions, including those of skepticism, lose their raison-d’être. One failure of Reinhold’s approach is its inability to provide a justification of reason’s historical ability to make teleological progress. A Schulzean skeptic might argue that this reveals the inexhaustive character of Reinhold’s Grundsatz, its inability to determine a constitutive aspect of his concept of historical reason. A critical re-articulation of the early Elementarphilosophie after Schulze’s objections required that this issue be reworked. This was one of the tasks that August L. Hülsen, one of Reinhold’s former students who embraced Fichte’s system in 1795 addressed in Preisschrift, his virtually neglected book of 1796. This paper outlines Reinhold’s approach, and shows how Hülsen’s normative reading of the Wissenschaftslehre allowed Fichte’s concept of self-positing activity to become a historical mechanism of teleological striving capable of providing an enlightened or skeptically ›immune‹ alternative to Reinhold’s concept.
107. Fichte-Studien: Volume > 44
Jakub Kloc-Konko·owicz »Wir alle werden im Egoismus erzeugt und geboren…«: Fichtes Grundzu·ge des gegenwartigen Zeitalters als Selbstreflexive Kritik der Moderne
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In the paper I try to interpret Fichte’s Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters as a reflective self-critique of the Enlightenment. Identifying the ›third historical period‹ of Fichte with the time of Enlightenment, I try to read his lectures as an ambitious and differentiated critique of it. The aim of Fichte’s devastating criticism on dominant characteristics of the Enlightenment (egoism, superficiality and self-interest) is in my opinion not to refuse it entirely. It is rather to continue it with an increased sense of self-criticism. The proposed reading enables to place Fichte’s arguments in the context of today’s debates over issues like the role of religion in civil society, or the meaning and fundamental values of Europe’s integration. For all his critique on modernity, Fichte refrains from treading a conservative, communitarian or collectivist path. This can be seen as the great advantage of his standpoint. What he intends is rather the »enlightenment of Enlightenment«, the continuous differentiation of knowledge and liberating the human being from the constrained form of modern consciousness.Der Beitrag bildet einen Versuch, Fichtes Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters als eine reflexive (Selbst-)Kritik der Aufklärung zu deuten. Ich identifiziere Fichtes ›drittes Zeitalter‹ aus den Grundzügen mit der als Aufklärung verstandenen Moderne. Sie bildet, meines Erachtens, den Gegenstand einer anspruchsvollen und differenzierten Kritik: das vernichtende Urteil über die in ihr dominierenden ›Züge‹ des Egoismus, der Oberflächlichkeit und des Selbstinteresses haben keineswegs den Zweck, Modernität als solche zu desavouieren. Vielmehr handelt es sich um eine zukunftsorientierte Fortsetzung der Aufklärung im Sinne einer gesteigerten (Selbst-)Reflexivität. Durch eine solche Deutung kann Fichtes Position in die gegenwärtigen Debatten – etwa um die Rolle und Funktion der Religion innerhalb der säkularen Gesellschaft oder um die Grundwerte und den Sinn der europäischen Einigung – einbezogen werden. Aus der Sicht der heutigen Debatten besteht die Originalität des Fichteschen Standpunktes genau darin, dass er, bei aller Kritik der egoistischen Zügen der aufklärerischen Kultur weder auf konservative, noch auf kommunitaristische oder kollektivistische Lösungen zurückgreift. Gemeint ist von ihm eher eine ›Aufklärung der Aufklärung‹, weitere Differenzierung des Wissens, aber auch Befreiung der Menschen von dem zwanghaften Charakter ihres modernen Bewusstseins.
108. Fichte-Studien: Volume > 44
Roberta Picardi Historia magistra vitae: Fichtes Kritik, Deutung und Transformation eines antiken Topos
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The older topos ›historia magistra vitae‹ – which was coined by Cicero, borrowing from a Hellenistic pattern – lasted almost unbroken into the eighteenth century, also thanks to its flexibility in accommodating the most different conclusions. As demonstrated by R. Koselleck, the common place was emptied of meaning just between the eighteenth and nineteenth century, at the same time and in connection with the invisible and sudden semantic process, through which in the German language area the naturalized foreign world Historie and the plural ›die Geschichten‹ were displaced by the collective singular ›die Geschichte‹. This paper aims to frame Fichte’s position in the process of dissolution of the topos, described by Koselleck. For this purpose, the paper will be articulated in the following steps. Firstly, it reconstructs the most important and probable filters, through which Fichte has received Cicero’s topos. The second part will examine deeply the criticisms that Fichte moves to the different versions of the formula, during his whole speculative itinerary. Finally, the conclusive part considers how Fichte recovers and reworks the topos – since his first works – by transposing it in the completely different theoretical frame of his own philosophy of history and of his theory of the State.Die Wendung ›historia magistra vitae‹ – die in Anlehnung an hellenistische Vorbilder von Cicero geprägt wurde – währte fast ungebrochen bis in das achtzehnte Jahrhundert, wobei eine solche Dauerhaftigkeit auch und zunächst auf seiner Elastizität beruhte, die die unterschiedlichsten Schlüsse zuließ. Wie R. Koselleck gezeigt hat, wird die Formel lediglich zwischen dem achtzehnten und dem neunzehnten Jahrhundert – gleichzeitig und parallel mit dem unmerklichen und unbewussten Vorgang, der im deutschen Sprachgebiet die Pluralform von ›die Geschichte‹ zu einem Kollektivsingular verdichtet hat – sinnentleert. Der vorliegende Beitrag geht darauf aus, Fichtes eigentümliche Stellung in dieser Auflösung des alten Topos zu verdeutlichen. Dazu untersucht man zuerst die Quelle, die Fichtes Rezeption des Topos ermöglichen und vermitteln. Im zweiten Teil betrachtet man alle Stelle tiefgehend, wo Fichte im Lauf seiner ganzen philosophischen Untersuchung an den Topos kritisch aufweist. Am Schluss wird die radikale neue Auslegung illustriert, die Fichte auf Grund seiner Philosophie der Geschichte und seiner Auffassung der Staatslehre anbietet.
körper und natur
109. Fichte-Studien: Volume > 44
Benedetta Bisol Ich, Körper, Geschlecht. Die rechtlichen Implikationen der Sexualität in der Grundlage des Naturrechts (1796)
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The paper discuses topics related to individuality, human corporeality and gender in Foundations of Natural Right (1796) within a systematic point of view. According to Fichte, the notion of human corporeality is crucial to achieving the foundations of right. In this context Fichte applies a gender-neutral notion of the human body: all individuals are equal despite their gender differences, because reason is neither masculine nor feminine. Besides the male/female binary, Fichte does not discuss issues of sexual identity or orientation. Furthermore, it seems no longer plausible nowadays to defend his position on the social role of women. Nevertheless, Fichte’s conception provides fruitful hints for the analysis of relevant issues in current debates on human corporeality and gender.Die Arbeit untersucht unter einem systematischen Gesichtspunkt Fragen der Individualität, der Körperlichkeit und der Sexualität in der Grundlage des Naturrechts. Das Spezifikum des Ansatzes Fichtes besteht dort erstens darin, die Relevanz der Körperlichkeit für die Grundlegung des Rechts zu zeigen und zweitens, die Auffassung dieser im Sinne der Geschlechtsneutralität zu bestimmen. Fichte argumentiert im Sinne der Gleichberechtigung aller Individuen innerhalb der Rechtsgemeinschaft. Die Kraft seiner Position liegt in der Formulierung eines konsistenten Körperbegriffs, der erreicht wird, ohne auf anthropologische Bestimmungen rekurrieren zu müssen. Die geschlechtliche Bestimmung zählt zu den Unterschieden unter Individuen, die die Konstituierung einer Gemeinschaft von gleichberechtigten Individuen nicht beeinflussen, da die Vernunft weder männlich noch weiblich ist. Obwohl man bei Fichte keine Hinweise auf eine Auseinandersetzung mit Fragen der sexuellen Identität und Orientierung findet, die über das binäre Verständnis des Männlichen und des Weiblichen hinausgeht, und generell seine Position, was die gesellschaftliche Rolle der Frau angeht, heutzutage nicht mehr plausibel erscheint, wird in der Arbeit aus den oben zusammengefassten Gründen die These vertreten, dass Fichtes Konzeption fruchtbare Impulse zur Reflexion für Fragen bietet, die heute noch im Zentrum der Debatte zur Körperlichkeit und Sexualität stehen und als offene Probleme gelten.
110. Fichte-Studien: Volume > 44
Martin Hähnel ›Natur als Erscheinung von Freiheit‹: Herkunft und philosophiehistorische Stellung von Fichtes Naturbegriff
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This paper is referring to Fichte’s ambivalent notion of nature. For Fichte, nature is something that needs to be formed. This formability is an evidence of the imperfection, even depravity of an unformed and therefore unfree nature. Fichte seems to allude indirectly on Martin Luther and the Reformation tradition. Accordingly, nature – which is in itself evil or will become evil – is a state from which men had to step out. The affinity to Rousseau’s picture of nature is obvious. Finally, the article asks for the position of Fichte’s notion of nature in the philosophy of German Idealism. At a turning point Schelling tries to explain that nature is something that can be understood as a self-integrating concept.In dem Beitrag wird der Versuch unternommen, den vieldeutigen Naturbegriff Fichtes zu bestimmen. Es soll gezeigt werden, dass Fichte Natur vorrangig als etwas versteht, das »gebildet« werden muss. Diese Bildbarkeit zeugt, so die These, dabei von der Vorstellung einer depravierten, d. h. ungebildeten und damit auch unfreien Natur, wobei Fichte hier mutatis mutandis auf Luther und die reformatorische Tradition zurückzugreifen scheint. Dieser Traditionslinie folgend ist Natur etwas, das als an sich böse oder als böse geworden eingeschätzt wird, d. h. sie wird als ein Zustand bewertet, aus dem man zur Einlösung des Freiheitanspruches notwendigerweise heraustreten müsse. Hierbei wird u. a. auch die Nähe Fichtes zu Rousseaus Naturverständnis deutlich. Schließlich fragt der Beitrag nach dem generellen Ort von Fichtes Naturbegriff innerhalb der philosophischen Entwicklung des Deutschen Idealismus, die mit Schelling eine Kehrtwende erlebt, infolgedessen die Einkehr in eine eigentlich mit Hegel endgültig hinter sich gelassene Natur wieder möglich wird.
111. Fichte-Studien: Volume > 44
Stefano Bacin »Ein Bewußtsein, das selbst Pflicht ist«: Fichtes unkantische Auffassung des Gewissens und ihr philosophischer Kontext
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Aim of the paper is contributing to a context-informed understanding of Fichte’s theory of conscience. This crucial element in his moral philosophy (and, in fact, in his whole philosophy) represents the last of the many significant accounts of conscience in the 18th century, before in the following century the role of conscience in moral life was repeatedly put into question. Accordingly, in my paper I argue that: (1) Fichte puts forward an un-Kantian account of conscience, following, instead, a quite different model; (2) Fichte’s views on conscience grew out of a complex conceptual milieu, from which Fichte borrows important (quasi-)sentimentalist elements; (3) Fichte’s idea of the infallibility of conscience must be distinguished from other similar views put forward in the same years.Ziel des Beitrags ist, zu einem kontextbewussten Verständnis von Fichtes Theorie des Gewissens beizutragen. Denn dieses entscheidende Element von Fichtes Denken stellt zugleich die letzte der vielen, bedeutenden Gewissensauffassungen im 18. Jahrhundert dar, bevor im folgenden Jahrhundert die Rolle des Gewissens im moralischen Leben aus vielerlei Gründen immer wieder in Frage gestellt wurde. In meinem Beitrag versuche ich zu zeigen, (1) dass Fichte eine nicht-Kantische These über das Gewissen vertritt und damit ein abweichendes Modell moralischer Erkenntnis zum Ausdruck bringt; (2) dass Fichtes Thesen zum Gewissen aus einer komplexen begrifflichen Konstellation entstehen, aus der Fichte bedeutende (quasi-)sentimentalistische Elemente übernimmt, (3) dass Fichtes These der Unfehlbarkeit des Gewissens von anderen ähnlich klingenden Thesen unterschieden werden muss.
rezensionen
112. Fichte-Studien: Volume > 44
Douglas Moggach Verso l’eticità. Saggi di storia della filosofia
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113. Fichte-Studien: Volume > 44
Stephan Trescher Selbst und Bild. Zur Person beim letzten Fichte (1810–1814)
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114. Fichte-Studien: Volume > 44
Dirk Sorge Hegels Philosophie des Absoluten. Eine Untersuchung zu Hegels ›Wissenschaft der Logik‹ und reifem System
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115. Fichte-Studien: Volume > 44
Cem Kömürcü Das Problem der Endlichkeit in der Philosophie Schellings – Le problème de la finitude dans la philosophie de Schelling
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116. Fichte-Studien: Volume > 43
Vorwort
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117. Fichte-Studien: Volume > 43
Marco Ivaldo Mitteilung des Herausgebers der Fichte-Studien
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118. Fichte-Studien: Volume > 43
Carla De Pascale, Marco Ivaldo Nachruf auf Claudio Cesa
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zur einleitung
119. Fichte-Studien: Volume > 43
Hartmut Traub Fichte und seine Zeit: Versuch einer transzendentallogischen Erörterung der „Zeitigung“ nebst näherer Bestimmung eines personalen Zeitbegriffs im Thema
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The following paper presents a transcendental concept of time. It is based on Fichte’s theory of the cross-link between subjectivity and objectivity on the one hand and the manifestation of the absolute being in internal and external acts of existence (Existenzialakte) on the other hand. Referring to the theme of the congress, “Fichte and his time”, and by applying the named four principles it is possible to deduce a complex structure of time divided into four dimensions. These dimensions are namely the following: the biographical time, which means the external, yet subjective dimension of time; the contemporary time, which means the external, yet objective dimension of time; the eschatological time, which means the internal, yet objective dimension of time and the ontogenetic time, referring to the internal, yet subjective dimension of time.Understanding “Fichte and his time” cannot be reduced to explaining his thoughts in the light of the ideas of the philosophers of his time, including Kant, Schelling Reinhold etc. Neither is it possible to understand the topic just from the perspective of the contemporary, political and social circumstances Fichte lived in, e. g. the French Revolution. “Fichte and his time” should rather be explained from the context and the interaction between the four dimensions of time. According to Fichte’s own understanding it is mainly the eschatological and the ontogenetic dimensions that enable a true, meaningful and blessed time life (“Zeitleben”).
über den bildungsprozess des hauptgedankens der wissenschaftslehre
120. Fichte-Studien: Volume > 43
Ernst-Otto Onnasch Fichte im Tübinger Stift: Johann Friedrich Flatts Einfluss auf Fichtes philosophische Entwicklung
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This paper deals with the importance of Fichte’s first visit at the Stift of Tübingen (June 1793) on his philosophical development, ultimately leading to the formulation of the outlines of his wl 1794/5. This paper aims to show that Fichte had been forced to his criticism of Reinhold and than that of Kant by arguments addressed by the Tübingen professor Johann Friedrich Flatt. Therefore, Fichte’s own presentation of his philosophical awakening, attributed to the influence of his Aenesidemus-reading seems to be a skilful retouching of the historical facts. If the presented hypothesis can take some plausibility it opens an interesting perspective on the development of post-Kantian philosophy, as Flatt’s criticism of Reinhold and Kant was not only of importance for Fichte, but also for Hegel and Schelling, albeit denied by all of them.In diesem Beitrag soll gezeigt werden, dass Fichte zu seiner Kant- und Reinhold-Kritik und damit letztendlich auch zu den ersten Schritten auf dem Wege zu seiner eigenen philosophischen Position – ausmündend in die wl von 1794 – auch durch die Kritik Johann Friedrich Flatts an Kant und Reinhold genötigt wurde. Die spätere Darstellung seiner Anfänge durch Fichte selbst, die dem Einfluss der Aenesidemus-Lektüre für seine philosophische Entwicklung die größte Wirksamkeit zuschrieb, könnte unter diesem Aspekt als eine geschickte Retouche der historischen Tatsachen bewertet werden, auf die es in diesem Beitrag geht. Kann die hier aufgestellte Hypothese einige Plausibilität für sich beanspruchen, eröffnet sich eine interessante Perspektive auf die weitere Ausbildung der nachkantischen Philosophie, sofern Flatts Kant- und Reinhold-Kritik nicht nur für Fichte, sondern auch für Hegel und Schelling einen wichtigen – wenn auch von ihnen verleugneten – Stellenwert hatte.